Hintergrund: Die psychologischen Wurzeln des Omission Bias
Entscheidungen sind in der Regel mit Unsicherheiten verbunden. Dennoch bewerten Menschen ihre Entscheidungen oft nicht anhand der verfügbaren Informationen, sondern anhand dessen, was hätte sein können. Frühere Forschungen (z. B. Kahneman & Tversky, 1982) zeigen, dass Handlungen mit negativen Folgen strenger beurteilt werden als Unterlassungen mit denselben Konsequenzen.
Warum ist das so?
- Handlungen erscheinen kausaler: Menschen begreifen ihre Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Entscheidungen als direkter, wenn sie diese aktiv treffen.
- Angst vor Reue: Eine falsche Handlung führt oft zu stärkerer Reue als eine falsche Unterlassung.
- Soziale Wahrnehmung: Wer aktiv eine Fehlentscheidung trifft, wird oft stärker zur Rechenschaft gezogen als jemand, der nichts tut.
Auf dieser Grundlage untersuchten Ritov & Baron, wie das Wissen über Ergebnisse den Omission Bias beeinflusst. Sie stellten die Hypothese auf, dass Menschen eine größere Reue für Handlungen als für Unterlassungen erwarten – und dass dieser Effekt stärker wird, wenn sie die Möglichkeit haben, das Ergebnis der nicht gewählten Alternative zu erfahren.
Tipp: Im Kurs Risiko widmen wir uns am Beginn der Frage, was der Unterschied zwischen Unsicherheit, Ungewissheit und Risiko ist. Viele Menschen vermischen diese Begriffe bzw. handhaben sie unzureichend – auch in Unternehmen.