De-Biasing Prozess

Wesentliche Schritte und Nutzen einer praktischen Methode

Definition und Nutzen unseres De-Biasing Prozesses
Wesentliche Erfolgskriterien für die praktische Anwendung von De-Biasing
Unterschied zwischen De-Biasing und Nudging
Alle Fachbegriffe

Ich mache seit Jahren denselben Fehler – jetzt weiß ich, warum!

Erkenntnisse wie diese sind wertvolle Aha-Erlebnisse, die wir regelmäßig von Menschen hören, die sich mit ihren Biases zu beschäftigen. Doch was kommt danach? Wir wissen, dass etwas falsch läuft, und verstehen, warum. Wirklichen Mehrwert erhalten wir erst dann, wenn es uns gelingt den Effekt oder – noch besser – die Grundlage des jeweiligen Biases zu eliminieren. Wir gehen auf dieser Plattform andere Wege – Wissen allein anzuhäufig, reicht nicht für eine wirksame Veränderung unseres Denkens oder Verhaltens.

Unser De-Biasing Prozess ist eine umfassend wirksame Methode, wie wir dies praktisch bewerkstelligen können – sehen wir uns an, wie er funktioniert!

Eine Definition von De-Biasing

De-Biasing ermöglicht die schrittweise Überwindung eingefahrener Denkmuster und somit die effektive Reduzierung von Unconscious Biases (auf Deutsch oft mit kognitiver Verzerrung übersetzt). In Wikipedia werden darunter „…Maßnahmen oder ein Bündel von Maßnahmen, die darauf abzielen negative Effekte durch kognitive Verzerrungen zu vermindern“ verstanden. Wie beim Begriff des Unconscious Bias gibt es hier ebenfalls ähnliche Begriffe (für alle daran Interessierten siehe den kleinen Exkurs am Ende dieses Artikels). Die passendste deutsche Übersetzung wäre „Entzerren“ von kognitiven Verzerrungen – wir bleiben wie beim Bias-Begriff bei der englischen Version.

Der Fokus unserer Plattform liegt auf der Verbesserung praktischer Anwendungsfelder wie etwa der Qualität von Beurteilungen, Entscheidungen und deren Umsetzung. Der Anwendungskontext von De-Biasing ist dabei breit – es kommt sowohl Einzelpersonen als auch Teams und Organisationen zugute und ist sowohl im Privat- als auch im Berufsleben sinnvoll einsetzbar.

Das De-Biasing Konzept stützt sich auf Erkenntnisse der Verhaltensökonomie, einer interdisziplinären Richtung, die in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat, nicht zuletzt durch die Verleihung von Nobelpreisen an führende Vertreter wie Daniel Kahneman und Richard Thaler.

 

Der Nutzen von De-Biasing

Biases wirken gegen unsere Interessen und Ziele, ihr Effekt kann sehr kostspielig sein. Der Nutzen von De-Biasing-Maßnahmen ergibt sich aus der gezielten Bekämpfung derjenigen Biases, die aktiv sind, ihren Auswirkungen und dem jeweiligen Kontext. Auf individueller Ebene kann dies bedeuten, wiederkehrende Fehler zu vermeiden und die persönliche Leistung und Anerkennung zu steigern. In organisatorischem Kontext können systematische Fehler beseitigt werden, was zu profitableren Entscheidungen führt und die finanziellen Ergebnisse verbessert.

Biases wirken jedoch viel umfangreicher als lediglich bei Entscheidungssituationen. Wir haben fünf Anwendungsfelder definiert, für die Biases relevant sind:

  • Wahrnehmung
  • Beurteilung
  • Entscheidung
  • Interaktion
  • Umsetzung

De-Biasing bedeutet daher, für einen konkreten Anwendungsfall eine oder mehrere Maßnahmen zu finden und umzusetzen. Dadurch werden die negativen Auswirkungen der Biases vermindert oder idealerweise minimiert.

Beispiel: Bei einer Investitionsentscheidung spielen primär die Anwendungsfelder Beurteilung und Interaktion eine Rolle. Die entscheidende Person könnte die Qualität ihrer Entscheidung erhöhen, indem sie:

  • versteht, welche Biases in dieser Situation relevant sind,
  • erkennt, worauf sie persönlich dabei achten sollte und
  • anwendet, was sie an De-Biasing Maßnahmen definiert hat.

Der „Business Case“ von De-Biasing startet nicht mit der fertigen Lösung, sondern beim konkreten Problem. Wir starten beim praktischen „Use case“ und dessen negativen Ausprägungen, falls unsere Muster „falsch laufen“. Diese wollen wir mit De-Biasing schrittweise umstellen, damit der konkrete Anwendungsfall künftig positiver ausgeht. Dies bedeutet aber auch:

Wir müssen nicht alle Biases eliminieren, weil die meisten davon nicht relevant sein werden – Fokus ist ein Kernprinzip unserer De-Biasing Methode.

Der De-Biasing Prozess

Wir haben einen De-Biasing Prozess entwickelt, der eng mit dem Prinzip des kompetenzbasierten Lernens verzahnt ist – wir gehen dabei in drei Schritten vor:de-biasing prozess

  • Verstehen:
    Biases sind schwer greifbar, den meisten Menschen sind die eigenen Muster nicht klar. Es geht daher darum, relevante Biases zu erkennen und bewusst zu machen. Dies hilft die konkreten Anwendungsfelder zu begreifen sowie die Effekte von Handlungen, eigener und die anderer, in den jeweiligen Kontext zu bringen. Die Vermittlung von Wissen steht im Vordergrund.
  • Erkennen:
    Dies führt im zweiten Schritt dazu sensibler zu werden. Es geht darum zu erkennen, welche Biases im jeweils praktischen Kontext wirken. Die Selbstwahrnehmung wird schärfer, die Beobachtung anderer wird intensiver. Das Verständnis der verschiedenen Unconscious Biases führt dazu sich deren Relevanz stärker bewusst zu machen, wenn es nötig ist – dies sind wesentliche Fertigkeiten.
  • Anwenden:
    In diesem Schritt setzen die Individuen gezielte De-Biasing Maßnahmen um. Dies kann sowohl individuelle Verhaltensänderungen als auch organisatorische Anpassungen umfassen, braucht daher entsprechende Fähigkeiten. Rückmeldungen und die Wirkung der getroffenen Maßnahmen führen zu einer schrittweisen Reduktion von Biases.

 

Hinweis: Unser grundlegender Kurs “Einführung in die Welt der Unconscious Biases“ erklärt die Prozessschritte näher und bietet die Möglichkeit ihn gleich bei den behandelten Biases praktisch für erste Lösungsansätze zu verwenden.

Es ist wichtig zu betonen, dass der Prozess kein einmaliges Event ist, sondern eine kontinuierliche Schleife darstellt, bei der Erfahrungen zu weiteren Maßnahmen führen. Die Änderung von Mustern bzw. von Verhalten ist ein Prozess, der entsprechend Zeit braucht. Halten wir uns vor Augen, dass für unser Gehirn das Verändern von Mustern Zeit und Aufwand bedeutet.

Während die Prinzipien kompetenzbasierten Lernens und der De-Biasing Prozess breit anwendbar sind, setzen die konkreten De-Biasing Maßnahmen individuell an. Die Reduktion von Biases kann weder durch ein einziges Instrument (etwa ein Unconscious Bias Training) noch durch standardisierte Inhalte erfolgen. Wir können folgende Grundprinzipien für unsere De-Biasing Methode festhalten:

  • Fokus aufs Wesentliche
  • Individueller Zugang auf Basis der festgestellten Symptome
  • Klarmachen teils unbewusster Muster und Verhaltensweisen
  • Schaffen neuer Handlungsoptionen
  • Anerkennung, dass persönliche Veränderung Zeit und Konsequenz braucht

Die Umsetzung auf unserer Plattform

Der De-Biasing Prozess ist so konzipiert, dass er negative Auswirkungen von Biases auf

  • individueller,
  • zwischenmenschlicher oder
  • organisatorischer Ebene

verringern kann. Die Plattform bietet dafür verschiedenste Ansatzpunkte.

  • Wissen ausbauen – besser verstehen
    Unsere Wissensbibliothek bietet (ebenso wie viele Kursinhalte) die Möglichkeit mehr zum Thema Biases zu erfahren – kostenlos mit einem User-Account. Wir wollen neben einem vertieften Verständnis fürs Thema auch dazu anregen, neue Perspektiven und praktische Anwendungsmöglichkeiten zu schaffen. Unbewusstes bewusst machen steht hier im Vordergrund.
  • Fertigkeiten schaffen – Themen praktisch erkennen
    Der Kontext ist entscheidend, ob wir Biases praktisch reduzieren können. Das Kontextualisieren – daher zu erkennen, ob und wie kognitive Verzerrungen im eigenen Umfeld wirken – spielt hier die Hauptrolle. Wir tun genau das in Use Cases und in allen Kursen zum Thema und teilen viele Erfahrungen und Empfehlungen aus der Praxis. Der Austausch in der Community ist eine weitere Möglichkeit eigene Beobachtungen zu teilen und gleichzeitig von anderen Menschen zu lernen.
  • Fähigkeiten umsetzen – De-Biasing praktisch anwenden
    Unsere Kurse bringen De-Biasing in einen konkreten Kontext und haben stets erweiterte Kompetenzen als Lernziele definiert (etwa hat der Kurs Risiko als Ziel „Risiken klarer erkennen und bewusster managen“). Wir bauen daher die Fähigkeiten aus, De-Biasing in einem konkreten Anwendungsfeld umzusetzen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben daneben die Möglichkeit im Kursforum mit anderen darüber zu diskutieren – über Erfolge, aber auch praktische Herausforderungen und Hindernisse.

Die Plattform und der De-Biasing Prozess sind modular in verschiedenen Stufen gestaltet. Du entscheidest, wie tief du in dieses Thema einsteigst und welche Aspekte dir den meisten praktischen Mehrwert bieten.

Wir glauben nicht an „One size fits all“ – hol dir das heraus, das dich weiterbringt!

Zusammenfassung und Empfehlungen

  • De-Biasing ist ein innovatives Konzept, das die systematische Reduzierung von unbewussten Biases ermöglicht. Dieser Prozess erfolgt in mehreren Stufen und erfordert individuelle, auf den Kontext abgestimmte Maßnahmen. Die Schritte Verstehen, Erkennen und Anwenden führen zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der die Qualität von Entscheidungen und Handlungen steigert.
  • Die Verwendung von De-Biasing-Maßnahmen kann sich sowohl auf individueller Ebene als auch auf organisatorischer Ebene erheblich positiv auswirken. Es ermöglicht die Steigerung der Entscheidungsqualität, die Vermeidung von Fehlern und die Optimierung von Prozessen.
  • Da unbewusste Biases in vielen Aspekten des Lebens und der Organisationen eine Rolle spielen, ist De-Biasing ein Schlüsselkonzept, das auf dieser Plattform in verschiedenster Form zugänglich gemacht wird.

Exkurs: Ähnliche Begriffe und Abgrenzung zu Nudging

Die meisten Begriffe zur Verringerung von Unconscious Biases tragen englische Begriffe und bezeichnen ähnliche Aktivitäten. Wir verwenden auf der Plattform die Schreibweise De-Biasing, das etwa auf Wikipedia gebrauchte Debiasing ist inhaltlich gleich. Neben diesen beiden Schreibweisen sind auch Varianten wie Unbias oder Anti-Bias geläufig.

Im Vergleich dazu wird oft gefragt, was den Unterschied zwischen De-Biasing und Nudging ausmacht. Es gibt drei Hauptunterschiede:

  • Das Ziel:
    Nudging zielt auf die Einhaltung eines bestimmten Verhaltens ab, während De-Biasing sich nach den individuellen Zielen der von Biases Betroffenen richtet.
  • Das Bewusstmachen von Biases:
    Während Nudging nicht unbedingt darauf abzielt, die eigenen kognitiven Verzerrungen zu erkennen, ist dies beim De-Biasing ein wesentlicher Aspekt.
  • Die Anwendungsebene:
    Nudging ist auf eine breite Gruppe ausgerichtet, die ein gemeinsames Verhalten zeigen soll. De-Biasing hingegen ist immer auf individueller Ebene angesiedelt.

Nudging hat seine absolut berechtigten Anwendungsgebiete, insbesondere bei Sicherheitsaspekten. Es setzt voraus, dass jemand (= die Person, die den Nudge setzt) weiß, welches Verhalten für die jeweilige Zielgruppe optimal ist. Dies muss nicht notwendigerweise der Fall sein bzw. könnten die Eigeninteressen dieser Person die Zielen der “ge-nudgten” Menschen entgegensprechen.

Daraus ergibt sich, dass ethische Überlegungen ein “must have” sind bzw. als wesentliches Entscheidungskriterium dienen, bevor ein Nudge umgesetzt wird.

 

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