Das Paradoxon der Wahl – aus Unternehmenssicht
Nehmen wir an, dein Unternehmen muss sich zwischen mehreren Software-Systemen entscheiden. Eine große Auswahl scheint zunächst vorteilhaft – schließlich soll die perfekte Lösung gefunden werden. Doch je mehr Anbieter geprüft werden, desto schwieriger wird es, eine Entscheidung zu treffen. Die Angst, einen falschen Weg einzuschlagen, steigt. Eine häufige Konsequenz: die Suche nach noch mehr Informationen, Verzögerung oder Vertagung.
Dieses Phänomen ist als Choice Overload Bias bzw. Auswahlparadox bekannt – also die Überforderung durch eine zu große Auswahl. „Mehr ist mehr“ gilt daher nicht!
Tipp: Im Kurs „Entscheidungsschwäche – einfach überwinden“ beschäftigen wir uns mit den Symptomen der Fear of Better Options ebenso wie mit dem Umgang im privaten und im unternehmerischen Bereich.
Hintergrund der Forschung: Mehr Auswahl = mehr Zufriedenheit?
In der klassischen Wirtschaftstheorie gilt eine größere Auswahl als Vorteil. Sie soll Autonomie, Motivation und Zufriedenheit steigern. Allerdings basierten viele frühere Studien nur auf kleinen Entscheidungsmengen (z. B. 2–6 Optionen). Iyengar & Lepper hinterfragten diese Annahme und untersuchten, wie sich eine drastische Erhöhung der Auswahl auf das Entscheidungsverhalten auswirkt. Ihre Choice-Overload-Hypothese besagt:
- Eine größere Auswahl ist zunächst attraktiv, kann aber schnell überfordern.
- Zu viele Optionen erschweren die Entscheidungsfindung und führen zu mehr Unzufriedenheit über die getroffene Entscheidung.
- Weniger ist mehr: Eine geringere Anzahl an Optionen kann das Engagement, die Entscheidungsqualität und die Zufriedenheit steigern.
Um dies zu überprüfen, führte das Forschungsteam mehrere Experimente durch. Zwei davon sind besonders relevant für Unternehmen.