System 1 und 2: Welches ist besser für uns?
System 1 und System 2 sind als Metapher bzw. Konzept sehr gut verwendbar, um das Vorhandensein von Unconscious Biases zu erklären.
- Die schlechte Nachricht: Unser Autopilot fährt manchmal falsch.
- Die gute Nachricht: Wir haben die Ressourcen, das zu ändern.
Durch die unbewusste Natur des Systems 1 unterschätzen wir Menschen tendenziell dessen Umfang und den Effekt. Daher sind uns eigene Biases häufig nicht klar, der Begriff des „bias blind spot“ bezeichnet dieses Phänomen. Wir sehen vielleicht die Auswirkungen ihrer Biases auf sie selbst oder ihr Umfeld (daher die Symptome), erkennen aber nicht deren Ursachen. Die Aktivierung von System 2 im De-Biasing Prozess setzt hier an.
Eine schnelle Reaktion könnte nun sein, dass System 2 wichtiger oder besser für uns sei. Diese Frage kommt auch immer wieder bei Vorträgen oder Workshops auf. System 1 ist nicht weniger wertvoll als sein Pendant; es hilft uns, die meisten Situationen des täglichen Lebens mit wenig Anstrengung zu meistern.
Es geht daher nicht um besser oder schlechter – beide Mechanismen haben verschiedene Vor- und Nachteile. Wir könnten nicht mit nur einem auskommen. Es geht darum, uns klar zu werden, in welchen Situationen welches System nützlich ist und wann nicht. Daniel Kahneman betont, dass unsere Entscheidungen, unsere Interaktion mit anderen Menschen und generell unser Verhalten ganz wesentlich vom Zusammenspiel der beiden Systeme geprägt sind.
Vergessen wir auch nicht: System 2 ist in der Lage, fehlerhafte Muster, Routinen und Biases zu beheben – De-Biasing ist die Methode dafür. Im Kurs Einführung in die Welt der Unconscious Biases widmen wir dem „Wie“ ein eigenes Kapitel. Das Ziel dabei ist, die Denk- und Handlungsmuster des Systems 1 schrittweise zu verändern und so zu verbessern. System 1 reagiert extrem schnell, aber es „lernt“ nur sehr langsam.
Welche Vorteile hat die Beschäftigung mit System 1 und 2
Die Beschäftigung mit der Funktionsweise unseres Gehirns macht fürs praktische Leben Sinn. Das Konzept von System 1 und System 2 bietet dabei einen leicht verständlichen Startpunkt. Das Verständnis dieser beiden Denkweisen kann Einzelpersonen und Organisationen helfen, bessere Ergebnisse zu erzielen. Hier sind die wichtigsten Vorteile:
- Verbesserte Entscheidungsfindung:
Das Erkennen, wann System 1 für schnelle, routinemäßige Entscheidungen und System 2 für komplexe, wichtige Entscheidungen zu verwenden ist, ermöglicht dir eine effizientere und genauere Entscheidungsfindung.
- Verringerung kognitiver Verzerrungen:
Das Bewusstsein für Biases hilft dir, System 2 einzusetzen, um ihnen entgegenzuwirken. Dies führt zu Fortschritten in praktischen Anwendungsfeldern wie Beurteilung, Entscheidung oder Interaktion mit anderen.
- Verbesserte Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle: Das Verständnis des Einflusses von System 1 hilft dir, impulsive Entscheidungen zu verringern bzw. zu vermeiden. Dies ermöglicht eine bessere Ausrichtung auf langfristige Ziele durch den bewussten Einsatz von System 2.
- Bessere Problemlösungsfähigkeit und Kreativität:
System 2 ermöglicht dir eine effektive Problemlösung und verfeinert kreative Ideen in praktische Lösungen, insbesondere für komplexe Herausforderungen.
- Verbessertes Lernen und Kompetenzentwicklung:
Der Einsatz von System 2 beim Lernen sorgt für ein tieferes Verständnis sowie den Ausbau von Fertigkeiten und Fähigkeiten (näheres dazu im Artikel zum kompetenzbasierten Lernen). Die Wiederholung von Aufgaben führt dazu, dass sie in System 1 integriert und somit automatisch erledigt werden.
- Verbesserte Kommunikation und Kollaboration:
Das Bewusstsein für System 1 und System 2 in Gruppen führt zu fundierteren Diskussionen, besserer Entscheidungsfindung und größerem Einfühlungsvermögen.
- Strategische Planung und Risikomanagement:
Die Verwendung von System 2 für die langfristige Planung und Risikobewertung stellt sicher, dass Entscheidungen wohlüberlegt und auf die übergeordneten Ziele abgestimmt sind. Im Kurs Risiko erfährst du, wie du De-Biasing schrittweise einsetzen kannst.
Unconscious Biases basieren immer auf individuellen Mustern. Jede Person weist eine Vielzahl von Biases auf, die einzigartig hinsichtlich Ausprägung und das Zusammenspiel sind. Die Beschäftigung mit System 1 und 2 unterstützt dich dabei, deine eigenen Denk- und Handlungsmuster zu verstehen – denn deine De-Biasing Maßnahmen müssen ebenfalls individuell sein.