Die Auswirkungen von Unconscious Biases
Die praktische Bedeutung eines Unconscious Bias liegt in seiner Fähigkeit, das Verhalten und die Entscheidungsfindung von Menschen zu beeinflussen, ohne dass diese sich dessen bewusst sind. Dies führt zu nachteiligen Auswirkungen auf
- individueller,
- zwischenmenschlicher und / oder
- organisatorischer Ebene.
Die praktische Konsequenz von relevanten Biases ist, dass ein negativer Effekt auf die jeweilige Person oder deren Umfeld, etwa die Familie oder das Arbeitsumfeld, eintritt. Die Person ist sich des Unconscious Bias in der Regel nicht bewusst und glaubt, in der konkreten Situation neutral und richtig zu handeln. Das Phänomen des „bias blind spot“ bedeutet, dass Menschen oft ihre eigenen Biases nicht erkennen und sich selbst als objektiv und rational betrachten, obwohl sie in Wirklichkeit von kognitiven Verzerrungen geleitet werden.
Diese Eigenschaft des unbewussten Faktors – häufig die problematischste – bedeutet, dass wir aufgrund der schnellen Arbeitsweise unseres Gehirns die Abweichung bzw. den Fehler nicht selbst erkennen. Wir sehen in der Regel die Konsequenz des Bias, etwa ein Ergebnis, das nicht unserer Erwartung entspricht. Der Grund der Abweichung – der konkrete Bias – bleibt im Verborgenen.
Wir brauchen daher andere Menschen, um unsere Biases erkennen zu können – dies ist ein wesentlicher Grund, warum es diese Plattform gibt.
Die konkreten Auswirkungen von Biases hängen ab vom:
- jeweiligen Bias bzw. dessen Wirkungsweise,
- dem konkreten Kontext, der für die Relevanz zentral ist, und
- welches Anwendungsfeld berührt wird.
Der letzte Punkt ist praktisch relevant. Wir brauchen für De-Biasing Maßnahmen das richtige Verständnis dafür, welches Anwendungsfeld der jeweilige Bias beeinflusst. Wir haben dafür ein eigenes Klassifikationssystem entwickelt, um die Theorie der Biases in der Praxis umsetzen zu können.
Nebenbemerkung: Eine weitere Eigenschaft des Phänomens Unconscious Bias ist dessen Vorhersagbarkeit, die ausgenutzt werden kann. Eine Person, die sich Kenntnisse um kognitive Verzerrungen aufgebaut hat, kann diese zum eigenen Vorteil nutzen, falls deren Gegenüber diese fehlen. Biases können bewusst „getriggert“ werden – wir sprechen von „Re-Biasing“. Yuval Harari führt in „21 lessons for the 21st century“ aus, dass es in unserem Eigeninteresse liegt, möglichen Manipulationsversuchen vorzubeugen. Die Beschäftigung mit Biases und das Festlegen von De-Biasing Maßnahmen gehören für ihn als eine der wichtigsten Maßnahmen dazu.