Anker und Anchoring Bias – unsere Schätzungen liegen manchmal weit daneben
Wie viele Einwohner hat Hamburg? Vielleicht gehe ich bei meiner Schätzung so vor: Ich wohne selbst in Wien und kenne die Einwohneranzahl von über 1,9 Millionen Menschen. Dann weiß ich, dass Hamburg nicht die größte, aber eine sehr große deutsche Stadt ist. Ich erinnere mich daran gehört zu haben, dass Hamburg kleiner als Wien ist – ich schätze daher auf 1,7 Millionen Einwohner, was eine relativ gute Annäherung darstellt (korrekt: 1,8 Millionen).
Wir setzen Anker aber nicht nur bewusst wie bei diesem Beispiel ein.
Die erste Information, die unser Gehirn erhält, sei es das erste Online-Suchergebnis oder ein erster Impuls, den unser Gehirn wahrnimmt, dient als ein Bezugspunkt. Dieser Anker, egal ob korrekt, relevant oder auch nicht, fixiert uns sehr stark. Dies ist insbesondere bei absoluten Zahlen bemerkbar, bei denen wir häufig Schwierigkeiten haben, sie richtig einzuordnen. Welcher Preis ist nun wirklich adäquat fürs neue Auto? Ohne Anhaltspunkte ist dies schwer zu beantworten.
Studien zum Ankereffekt zeigen, dass auch zufällige oder sinnlose Anker wirken – etwa gewürfelte Zahlen oder zufällig gewählte Referenzpunkte. Die Crux beim Anchoring Bias ist, dass der Anker unbewusst wirkt – wir passen in der Regel unsere Schätzungen an, aber nicht ausreichend genug. Wir bewegen uns vom Anker weg, nur nicht weit genug – der Anker zieht „magisch“ an.