Führung ohne Grenzen

Interkulturelle Führung: Was hier den Unterschied ausmacht

Welche Herausforderungen treten auf?
Welche Fehlerquellen bestehen und wie kann man sie meistern?
Welche Biases sind hier besonders zu beachten?
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Interkulturelle Führung ist eine Kompetenz, die immer mehr an Relevanz gewinnt. Viele Unternehmen sind international aktiv und / oder beschäftigen Personen mit verschiedensten kulturellen Hintergründen. Es gibt ausgezeichnete Materialien und Trainings, welche Aspekte Führungskräfte im internationalen Kontext besonders beachten sollten. Aber: Wissen und Verstehen ist das eine, das eigene Verhalten entsprechend zu verändern, gelingt oft nicht so leicht. Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier.

Wir illustrieren dieses wichtige Thema anhand von Anna, einer jungen Managerin in der Telekommunikationsbranche in einem osteuropäischen Land. Sie hat persönlich erlebt, wie Vorgesetzte an kulturellen Barrieren wie Ethnozentrismus scheiterten bzw. diese erfolgreich gemeistert haben. Dabei spielt eine entscheidende Rolle, wie sie mit ihren Biases umgegangen sind.

Kulturelle Unterschiede

Anna arbeitete zunächst im Team von Tom, einem deutschen Expat und CEO der ausländischen Tochtergesellschaft. Er war fachlich kompetent, konnte sich jedoch nicht an die lokalen kulturellen Eigenheiten anpassen bzw. wollte er das nicht tun. Das Land seiner neuen Tätigkeit lag geografisch nicht sehr weit von seinem Heimatland entfernt. Dennoch gab es deutlich andere Gepflogenheiten im Geschäftsleben, wie etwa:

  • kürzere Arbeitszeiten mit pünktlichem Ende,
  • weniger direkter Kommunikationsstil mit höherem Fokus auf der Beziehungsebene,
  • klare Grenze zwischen Beruf und Privatleben.

Tom erkannte diese Unterschiede, beharrte jedoch darauf, dass sich das lokale Team an ihn anpasst und nicht umgekehrt.  Die Folge: Frustration, Missverständnisse und Spannungen in kürzester Zeit. Anna erinnert sich, dass etwa seine Erwartungshaltung, dass alle bis spät in den Abend arbeiten sollten, die lokalen Mitarbeiter als mangelnde Rücksicht auf ihre Lebensweise wahrnahmen. Das beeinträchtigte das Arbeitsklima und die Mitarbeitermotivation erheblich.

Am Ende von Toms Tätigkeit in Osteuropa hatten sich die Resultate der Tochtergesellschaft massiv verschlechtert. Das fiel der Zentrale entsprechend auf und Tom war in diesem Konzern Geschichte.

 

Ethnozentrismus: Die gefühlte Überlegenheit

Stefan folgte Tom als CEO der Tochtergesellschaft nach. Obwohl er ebenfalls aus dem Land der Konzernzentrale Deutschland stammte, ging er andere Wege. Ihm war von Anfang an klar, dass das Phänomen des Ethnozentrismus große Hürden in der Zusammenarbeit schaffen kann. Man versteht darunter die Haltung, dass eigene kulturelle Normen und Praktiken denen anderer Kulturen oder Länder überlegen sind. Sie ist implizit wertend, kann unbewusst sein und auf starken Vorurteilen beruhen.

Anna erinnert sich, dass Stefan am Anfang seiner Tätigkeit zu verstehen versuchte, warum das Arbeitsklima nach Toms Wirken so negativ ausgeprägt war. Er erkannte rasch, dass die Teammitglieder mangelnde Wertschätzung beklagten und sich im Vergleich zur Zentrale benachteiligt fühlten. Gute interkulturelle Führung bedeutete für ihn, passende Zeichen zu setzen, um einen anderen Kurs zu signalisieren, wie etwa:

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Stefan hatte sich auf seine neue Aufgabe umfassend vorbereitet – neben einem Lehrgang zum Thema interkulturelle Führung war er auch mit den wesentlichsten Biases vertraut. Denn auch diese spielen eine wichtige Rolle bei einer internationalen Führungsrolle.

 

Biases, die in die interkulturelle Führung hineinwirken

Tom hatte Stefan bei einem Managementmeeting einmal erklärt, dass er den Einfluss von Biases für überbewertet hält. Nach jahrelanger Tätigkeit als Konzernmanager meinte er, genügend Erfahrungen und das richtige Gefühl zu haben, um objektiv und richtig zu entscheiden. Stefan sah dies anders und wusste, dass Biases insbesondere als Führungskraft stets relevant sind und auch die eigene Wirkungsweise beeinträchtigen können.

Jahre später machte er sich vor allem drei Faktoren bewusst, die er in seiner CEO-Rolle in Osteuropa berücksichtigen wollte.

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Interkulturelle Führung: Zusammenfassung und Empfehlungen

Die Erfahrungen von Anna mit zwei verschiedenen Führungskräften zeigen, dass interkulturelle Führung eine herausfordernde Tätigkeit ist. Es gibt zahlreiche Faktoren, die den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen – wie etwa diese Elemente:

  • Kommunikationsstile,
  • unterschiedliche Arbeitsethik und Einstellungen,
  • Entscheidungsfindungsprozesse,
  • Lösung von Konflikten,
  • Erwartungen an die Rolle der Führungskraft.

 

Tom und Stefan unterschieden sich stark darin, wie sie ihre eigene Position als Expat gegenüber ihrem Team vor Ort definiert haben. Solltest du die Möglichkeit haben, internationale Teams zu leiten, stellt das eine großartige Chance mit vielen Gelegenheiten zu lernen dar. Die folgenden Empfehlungen lassen sich aus Annas Bericht ziehen, die dir dabei helfen können, verschiedene Barrieren gar nicht erst entstehen zu lassen.

  • Entwicklung einer offenen Haltung gegenüber neuen Kulturen:
    • an einem interkulturell sensibilisierenden Workshop teilnehmen,
    • regelmäßige Feedback-Sitzungen halten, um Ethnozentrismus zu vermeiden oder zu reduzieren,
    • die kulturellen Besonderheiten des Teams verstehen und respektieren.
  • Bewusst auf Feedback hören:
    • aktive Suche nach Beispielen, die deine Annahmen in Frage stellen,
    • einen Außenstehenden hinzuziehen (etwa einen Coach oder Sparringspartner), um blinde Flecken und alternative Perspektiven zu erkennen.
  • Förderung und Wertschätzung einer offenen Diskussion:
    • Vielfalt im Denken und täglicher Praxis fördern,
    • deinen eigenen kulturellen Hintergrund reflektieren und den des jeweiligen internationalen Umfelds.
    • die sozialen Praktiken erkennen , die die Rollen des Teams und des Einzelnen beeinflussen.
  • Diversität und Inklusion unterstützen:
    • Strategien und Praktiken implementieren, die die kulturelle Vielfalt unterstützen,
    • ein integratives Umfeld fördern, in dem alle kulturellen Hintergründe wertgeschätzt werden.
  • Mentorenschaft und Betreuung bereitstellen:
    • Teammitglieder bei der Anpassung an ein neues interkulturelles Umfeld beraten,
    • die Ressourcen zur Verfügung stellen, um sie bei der Bewältigung kultureller Herausforderungen zu unterstützen.

 

Wir haben bei diesem Fall auch gesehen, wie wichtig es ist, spezifische Biases zu erkennen und zu überwinden, um in einer global vernetzten Wirtschaft erfolgreich zu sein. Indem wir unsere eigenen Verhaltensweisen und möglichen Vorurteile hinterfragen und offen für neue Perspektiven sind, können wir nicht nur effektiver führen, sondern auch eine inklusive und produktive Arbeitskultur schaffen.Solltest du dich noch nie mit kognitiven Verzerrungen beschäftigt haben, ist unser Kurs „Einführung in die Welt der Unconscious Biases“ ein guter Einstieg!

Erfolg in und mit internationalen Teams braucht eine Auseinandersetzung der Führungskraft mit ihren eigenen Verhaltensmustern, Werten und Biases. Effektive interkulturelle Führung basiert darauf – starke, widerstandsfähige und innovative Teams können so entstehen und wachsen.

Markus Eckhart

portrait markus eckhart

Markus Eckhart ist Initiator von de-biasing.com. Nach 20 Jahren in internationalen Unternehmen gründete er 2019 sein Beratungsunternehmen Mind your business. Dort begleitet er Unternehmen auf Basis seiner Erfahrungen als Führungskraft, primär bei den Themen Entscheidungsfindung und Entscheidungsunterstützung. Zusätzlich arbeitet er mit Einzelpersonen zusammen und unterstützt sie in den Bereichen Sparring, Coaching und Mentoring. Er ist zertifizierter systemischer Coach und Mentaltrainer.
Bereits in seiner Konzernkarriere beschäftigte er sich mit De-Biasing und dessen praktischer Anwendung. Das Ziel von de-biasing.com ist es, dieses wichtige Thema möglichst vielen Menschen näherzubringen und sie bei der Reduktion ihrer Biases zu unterstützen.

Zur Webseite von Markus Eckhart

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